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Vielfalt im Lobpreis für die Einheit in der Kirche

Ist Bandbegleitung besser als Chorgesang? Brauchen wir die Orgel noch? Wie wichtig sind uns unsere alten traditionellen Lieder? Das fragt Annekathrin Buchold, die derzeit in Südafrika arbeitet.

In der Methodist Church of Southern Africa (MCSA) wird die Frage nach der Art des Worship zu einem Merkmal der Tradition, d.h., Geschichte und Sprache der Gemeinde. 

Reichtum oder Trennungsgrund?

Die Verschiedenheit der Gemeinde zeigt sich auch im Worship. Es gibt Unterschiede im Gemeindegesang, den Sprachen, den Instrumenten, den Genres. Vielfalt der Kirche ist Reichtum und Geschenk, kann aber auch zum Trennungsgrund werden. Unterschiedliche Vorstellungen davon, wie man am besten die Gemeinde in das Lob Gottes einlädt und seinen Glauben ausdrückt, hindern zum Teil die Begegnung, das Miteinander und  die Verständigung. In unserer Methodistenkirche, wo wir wohnen, gibt es sonntags vier Gottesdienste, welche man vor allem mit der Unterschiedlichkeit der Lobpreisformen beschreiben kann:

  • 7.00 Uhr: Englische traditionelle Hymnen mit Orgelbegleitung
  • 9.00 Uhr: Moderne Lobpreislieder mit Bandbegleitung
  • 11.00 Uhr: Traditionell afrikanische Hymnen, mehrstimmiger Gesang mit Bewegung und Trommelbegleitung
  • 18.00 Uhr: Worship-Songs, poppig und laut, mit Bandbegleitung

Dasselbe gilt auf Bezirksebene; es gibt verschiedene Gemeinden unterschiedlicher Traditionen. Begegnung, und gemeinsamer Gottesdienst fällt da schwer bzw. ist nicht möglich, wenn nicht auch in Vielfalt Musik gemacht wird. Die Frage ist: Bin ich bereit, neugierig das Andere einmal zu erleben und mir selbst zu erlauben, dabei beschenkt zu werden? Gibt es möglicherweise eine Notwendigkeit und einen Gewinn in der Vielfalt im Lobpreis?  Ich bin überzeugt, dass Einheit in der Kirche nur mit Vielfalt in der Gottesdienstgestaltung möglich ist. Andernfalls bleiben wir in unseren Boxen und betrachten einander von Ferne. 

Neugier statt Vorbehalte

In meinen Begegnungen habe ich leider zum Teil Vorbehalte erlebt, wenig Neugierde und Interesse, hinzuhören, zu erfahren, hinzuspüren, sich zu öffnen, wirkliches Miteinander zu wünschen. Dabei bin ich über ein Zitat gestolpert: »Es braucht beiden Seiten, um eine Brücke zu bauen.« (“It takes both sides to build a bridge”.) Dies war teilweise für mich eine schwierige Erkenntnis. Wollen wir einander wirklich begegnen? Wollen wir wirklich auf die andere Seite, um etwas Neues zu entdecken, und gleichzeitig die andere Seite einzuladen, herüber zu

Einladend herüberwinken, Begegnung ermöglichen

Ich habe das Gefühl, dass ich in meinem Tun manchmal diejenige bin, die von der anderen Seite herüber winkt. Dass jedoch andere das Interesse und den Wunsch verspüren, neugierig Fragen zu stellen oder sich auf die Begegnungsreise zu begeben oder gar Brücken zu bauen, das liegt nicht in unseren Händen, das ist Gnade und Geschenk. Dennoch träume ich von solchen Brücken, von Räumen, in denen wir verschieden Musik machen können. 

Netzwerke und neue Pläne

Wichtig dafür ist die Netzwerkarbeit. Ein anderer Baustein sind die Pläne und Vorbereitungen für eine Kinder-Musik-Ferienwoche im Oktober diesen Jahres. Und eine große Vision ist die Erarbeitung eines mehrsprachigen Gesangbuches, welches nicht nur mehrere Sprachen, sondern auch verschiedene Genres und Notationssysteme verbindet. Dies könnte solch eine Brücke werden. Auch die Music Association der MCSA ist derzeit noch ein reiner Chorverband. Die Öffnung geschieht nur langsam. Jedoch wird von der Jugend immer mehr nach neuen Formen und Vielfalt gefragt und Identität eingefordert. 

Bewusst und absichtlich inklusive sein!

Eine Teilnehmerin des Musiknetzwerkes sagte: »Wir müssen bewusst und absichtlich inklusive sein!« (“We will have to be intentional inclusive!”) Das ist eine Aufgabe! »Methodismus ist fern von Uniformität.« (“Methodism is far from uniform”), beschrieb auch Erika Stalcup im Podcast »The Holy Club«. Wir dürfen Vielfalt nicht nur akzeptieren, sondern auch leben, das heißt zu Inklusion einladen, ganz aktiv und bewusst. 

Beten für neue  Ideen und Wege

Anfang Juni wird hier in Südafrika eine Jugendbegegnung auf unserem Bezirk stattfinden, bei der sich ganz verschiedene Jugendgruppen mit ganz unterschiedlicher Musik beteiligen, sich damit begegnen und gemeinsam Gott loben. Ich bete für mehr solcher Projekte und Möglichkeiten, egal wo auf der Welt. Vielleicht sogar bei dir um die Ecke. Vielfalt ist überall. Betet alle mit!

Annekathrin Buchold