Südafrika
Pilgerweg der Erneuerung
»Pilgrimage of renewal« – Wenn man in diesem Jahr in der Methodist Church of Southern Africa (MCSA) unterwegs ist, kommt man an Steinen nicht vorbei. Was hat es mit diesen Steinen auf sich?
Steine sind Symbole und Zeugnisse eines Weges. Sie erzählen eine Geschichte. Eine Geschichte von Gott mit den Menschen. Und sie wollen gleichzeitig Mut für den weiteren Weg machen. Die MCSA hat sich seit der Konferenz 2024 unter das Thema »Eine alternative Gemeinschaft werden« (“Becoming an alternative community”) gestellt. Besonders aber hat sie sich auf einen »Pilgerweg der Erneurung« (“pilgrimage of renewal”) begeben. Damit ist ein spiritueller Prozess auf dem Weg zum “Mission Congress” gemeint, welcher dieses Jahr im September stattfinden wird.
Etwa alle 10 Jahre treffen sich Delegierte der gesamten Connexio der MCSA, um über die aktuelle Situation sowie über Visionen und den weiteren Weg zu sprechen und Resolutionen zu verabschieden. Mission wird als gemeinsamer Ruf verstanden, über das sich stets wieder neu verständigt werden muss.
Offener Gespräche, ehrlicher Austausch
Der Kongress soll zu offenen Gesprächen einladen, zu einem ehrlichen Austausch, in einer Atmosphäre, in der Christen ihre Erfahrungen, Bedenken und Hoffnungen für die Zukunft teilen können. Die Kirche möchte auf Gottes Wort durch alle Menschen hören und lädt ein, sich auch mit unangenehmen Fragen anzufreunden (“to be comfortable being uncomfortable”). Bemerkenswert ist das Bestreben, dass alle Menschen Verantwortung für Mission übernehmen sollen. Jeder ist wichtig, keiner soll zurückgelassen sein; jeder ist Teil von Gottes Mission. Sie lädt ein, auf diesem »Pilgerweg der Erneuerung«, auf Gott zu hören, sowie auf einander und auf die Nöte der Welt. Sie fordert auf, Veränderung zu begrüßen und von »Tradition zu Absicht« zu wechseln, um neu zu lernen und um spiritual zu wachsen. Im Englischen heißt das: “unlearn and relearn”, was wörtlich übersetzt heißt, etwas zu verlernen, um es wiederzulernen. Das ist ein mutiger Weg. Genau geschieht dies durch Gespräche und Fragen in allen Gremien, Begegnungen und Gebeten über das ganze Jahr verteilt.
Wichtige Entscheidungen
Missionskongresse haben eine lange Tradition. Sie setzten sich beispielsweise bereits 1958 kritisch mit der Apartheid auseinander und entschieden sich bewusst für eine »Ungeteilte Kirche« (“One and undivided church”). 1981 sprachen sie sich klar dafür aus, Gott mehr zu folgen, als den Regierenden, und 1990 ebneten sie den Weg aus der Apartheid.
Es ist noch ein weiter Weg
Allerdings fällt auf, dass in Gesprächen, beispielsweise Beratungen, Konferenzen oder im Musiknetzwerk, immer wieder formuliert wird »Wir sind noch keine einheitliche und ungeteilte Kirche« (“We are not a one and undivided church yet”). Der Ruf nach Einheit ist laut. Und dies nicht nur in Bezug auf Hautfarben, vielmehr geht es um Organissationsstrukturen, Gottesdienstformen, ungleiche Ressourcenverteilung und Macht. Es gibt noch so viele Gräben zu überwinden. Zu sehr bewegt man sich in eingeübten, vertrauten Boxen. Vielfalt ist an der Tagesordnung, aber sparariert. Inklusion fällt schwer. Als alternative Gesellschaft will die Kirche jedoch hinausstrahlen in die Gesellschaft. In einer Predigt sagte der Bischof Mokguthu des Limpopo Distriktes: »Wir haben eine Verantwortung, die Gesellschaft zu vereinen und aufzubauen. Leider haben wir Christen diese Aufgabe an Politiker übergeben.« (“We have a responsibility to unite and to build our society. The unfortunate thing is, that as Christians, we have outsourced this to politicians”).
Sehnsucht nach Einheit
Auch das Thema der Musikkonferenz des Heswa Districtes bezog sich auf den Wunsch nach Einheit: »Vereinte Stimmen in alternativem Gottesdienst/Gesang« (“United voices in alternative worship”). In einem Vortrag wurden die Notwendigkeiten für Einheit benannt: Demut, Einfühlungsvermögen, Geduld, Mut, Liebe, institutionelle Erinnerung sowie Zeit. Gleichzeitig wurden auch die Merkmale kritisch betrachtet, welche Trennung fördern: Stolz, Selbstbezogenheit, Ungleichheit, Schweigen im Angesicht von Ungerechtigkeit, Armut und institutionelle Erinnerung. Laut wurde der Ruf, dass wir die Mauern von Ungleichheit und Armut einreißen müssen.
Auf diesem Weg der Gespräche und Gebete bewegt sich die MCSA in diesem Jahr. Symbolisch werden im September zum “Mission Congress 2025” Steine aus allen Bezirken und Distrikten zusammengetragen, die diesen Prozess symbolisieren werden und Geschichten zu erzählen haben. Wir beten für Gottes Segen für diese Kirche und das ganze Land, für diesen mutigen »Pilgerweg der Erneuerung«, für alle Gespräche, das Miteinander unterwegs sein, aufeinander Hören und Sehen und sich mutig auch unbequemen Fragen zu stellen.
Annekathrin Buchold