Skip to main navigation Skip to main content Skip to page footer

Südafrika - Deutschland

Eine südafrikanisch-deutsche Chorbegegnung

Viel mehr als Singen und Tanzen

Leonie Riegraf, Teilnehmerin der südafrikanisch-deutschen Chorgruppe, hat uns einen lebendigen Bericht von der soeben zu Ende gegangenen Tour zur Verfügung gestellt:

»Make a joyful noise unto the LORD“ - „Singet dem HERRN fröhlich« - Ps98,4

Dieser Vers fasst für mich unsere gemeinsame Zeit auf der Chorreise mit jungen Erwachsenen aus dem südlichen Afrika und Deutschland gut zusammen. Und das liegt nicht nur daran, dass mich diese Liedzeile (neben vielen anderen) immer wieder als Ohrwurm auf der Tour begleitet hat, sondern auch an der Lebensfreude und Fröhlichkeit, die uns die Gäste vorgelebt haben. Ihre Leichtigkeit, ihre Entspanntheit (die uns Deutsche manchmal anstrengte und das Warten lehrte) und ihre Freude am Musizieren waren und bleiben hoffentlich sehr ansteckend.

Einsingen und miteinander bekannt werden

Wir waren als gemischter Chor mit gut 30 Musizierenden aus Südafrika, Botswana, Namibia und Deutschland für gut zwei Wochen in Deutschland unterwegs. Unser Ziel war eine Begegnung auf Augenhöhe, ein Kennenlernen und Wertschätzen der Kulturen, sowohl innerhalb unserer Gruppe als auch mit den Gemeinden – so gab es in vielen Gemeinden die Möglichkeit, vor den Konzerten an einem Workshop teilzunehmen und abends teilweise im Konzert mitzuwirken.

Begonnen haben wir mit zwei Tagen in der Jugendbildungsstätte in Neckarzimmern, um uns kennenzulernen und einzusingen. Diese Tage waren geprägt von vielen neuen Eindrücken, kulturellen Unterschieden und dem Einstudieren vieler neuer Lieder.

Abwechslungsreiches Programm

Dann startete die Tour mit einem ersten Konzert in Heilbronn. Die erste Zeit in den Gastfamilien war sehr aufregend, aber wir fühlten uns stets willkommen und konnten uns auch untereinander besser kennenlernen. Unser Konzertprogramm ist bunt gemischt. Es besteht aus klassischen Stücken wie Bachs »Jesu, Joy of Men’s Desiring/Jesu bleibet meine Freude«, Psalm 42 auf Afrikaans, Englisch und Deutsch, afrikanischen Volksliedern (z.B. »Thaba Tshweu« (Der weiße Berg), Hymnen wie »Ndibeke Nkosi« (Herr, setze mich dahin, wo du mich haben willst), Segensliedern und andere mehr. Gerade die afrikanischen Lieder zeichnen sich durch ihre eingängige Rhythmik und Wiederholung aus und laden zum Tanzen und Mitsingen ein.

Nicht nur singen

Am Dienstag waren wir in Marbach und sind sehr dankbar für die Gastfreundschaft, das gute Essen und vor allem für den Besuch auf dem Biobauernhof der Familie Bühler. Das war ein großes Highlight für die afrikanischen Gäste, die sehr interessiert waren und sich durch die Nähe zur Landwirtschaft auch ein wenig mit ihrer Heimat verbunden fühlten. Ohne zu zögern wurden Kühe gestreichelt, dem Landwirt Friedel eifrig Fragen gestellt und eine Kuh gemolken. Das endete für Lutando aufgrund der totalen Entspannung zwar mit einer dreckigen Jacke, denn sprichwörtlich »shit happens« – aber auch das war kein Problem.

Einheit erleben

Zum Eintauchen in die deutsche Geschichte ging es auch zum Völkerschlachtendenkmal in Leipzig, Foto: privat.

Anschließend haben wir uns auf den Weg nach Sachsen gemacht und waren mehrere Nächte in Leipzig untergebracht. Nachdem wir auf der Hinfahrt Mödlareuth besucht hatten und dadurch die Bedeutung des Tages der Deutschen Einheit und die Folgen des Mauerfalls besser verstehen konnten, hatten wir in Halle einen Auftritt bei »Deutschland singt«.

Das gemeinsame Singen am Abend auf dem Marktplatz war etwas ganz Besonderes und stärkte unseren Wunsch nach Einheit trotz aller Unterschiede. Dieser Auftritt hat uns einige Aufmerksamkeit beschert – wir waren im MDR zu sehen und die Zeitung hat über uns berichtet.

Darüber hinaus war unsere Zeit in Leipzig und Halle geprägt von guten Begegnungen, schönen Konzerten, langen gemeinsamen Abenden, dem Besuch des Händel-Museums und einem einander immer engeren Zusammenwachsen. Nach dieser Zeit waren wir eine richtige »Familie«, wie die Gäste so gerne betonen. In Leipzig hatten wir außerdem musikalische Unterstützung von den Streichern und dem Posaunenchor, sowie in Halle ein gemeinsames Konzert mit dem Jugendmusikcamp der EmK unter der Leitung von Christoph Zschunke (Referent bei emk-musik). Das war ein tolles Erlebnis (und hat uns den Ohrwurm »Make a Joyful Noise« beschert).

Ansteckende Lebensfreude

Im Laufe der Tage haben wir viel besichtigt, die Busfahrten zum Schlafen und Singen genutzt, in den Andachten auf die Gedanken der anderen gehört und Gott mit unserem Gesang und unserer Freude gelobt. Das Singen hat uns wirklich den ganzen Tag begleitet, in vielen Kirchen und an verschiedenen Orten wurde einfach gesungen und dazu getanzt. Diese unkomplizierte Lebensfreude und ihr Ausdruck sind großartig! Sehr wertvoll waren für mich auch die Gespräche und Diskussionen über kulturelle Unterschiede, das Aufwachsen und Leben in einer mir fremden gesellschaftlichen Struktur, die Bedeutung des Glaubens und vieles mehr. Wir durften unsere Kultur in Deutschland und in der Kirche neu wertschätzen und gehen gleichzeitig mit vielen guten Impulsen und Ideen weiter – wie es eine Besucherin so schön zusammenfasste: Die ernsthafte und fröhliche Frömmigkeit der afrikanischen Gäste ist ansteckend!

Festgottesdienst in Reutlingen

Zur Einweihung des neuen Lehrgebäudes der Theologischen Hochschule Reutlingen (THR) reisten wir erneut nach Baden-Württemberg und hatten die Ehre, den Festgottesdienst musikalisch zu gestalten. Anschließend übernachteten wir in Esslingen und gaben dort am nächsten Tag ein Konzert. Der Besuch des Porschemuseums in Zuffenhausen war für viele wieder ein Highlight und wurde durch unsere sehr engagierte Führung zu einem wahren Vergnügen. Wer hätte gedacht, dass wir als südafrikanisch-deutscher Chor einmal im Porschemuseum »Koloi ha e me« (Auto, halte an) singen würden?

Erlebnisreiches Erzgebirge

Nach dieser »Halbzeit« unserer Tour ging es weiter nach Plauen und ins Erzgebirge. Auch hier gaben wir einige Konzerte, lernten Gemeinden kennen und besuchten beispielsweise die Skisprungschanze in Klingenthal. Wir sind sehr dankbar, dass wir überall so herzlich empfangen und aufgenommen wurden, dass wir so köstlich bewirtet wurden und sogar Vespertüten gepackt bekamen. Die volle Kirche in Zschorlau und die gute Stimmung bei unserem Konzert haben uns beeindruckt und sehr gefreut. Wir schätzen es sehr, dass sich viele Menschen auf unsere Musik und das Tanzen einlassen und wir gemeinsam Gott loben können.

Abschiednehmen

Unsere Zeit endete in der Nähe von Frankfurt, wo wir uns schweren Herzens voneinander verabschieden mussten. Zuvor hatten wir noch unser Abschlusskonzert in Neuenhain und durften in den letzten beiden Nächten wieder eine wunderbare Gastfreundschaft erleben. Der mehrsprachige Gottesdienst am Sonntag in Friedrichsdorf war sehr interessant und gleichzeitig etwas traurig, da es auch unser letzter Auftritt als Chor war. Wehmütig verabschiedeten wir uns schließlich am Montag (nach einem letzten gemeinsamen Singen am Bahnhof) voneinander. Während die Deutschen schon wieder in den Alltag zurückkehrten, war der größte Teil des Chores noch gut zwei Tage unterwegs, bis sie wohlbehalten zu Hause ankamen.

Gott ist gut – allezeit. Allezeit – Gott ist gut. Mit diesem klassischen Zuruf aus afrikanischen Gottesdiensten möchte ich schließen und wir sind dankbar, dass wir genau das auf unserer Reise erleben durften.

Leonie Riegraf