Hallo, ich bin Nelson!
Ich bin 14 Jahre alt und lebe in Jaiama, wo ich auch geboren wurde. Hier ist auch ein Gesundheitszentrum der Evangelisch-methodistischen Kirche von Sierra Leone.
Jaiama liegt ganz im Osten von Sierra Leone, wo man Diamanten und Gold findet. Es ist ein richtig großes Dorf, das aber nur über ganz schlechte Straßen erreichbar ist.
Meine Eltern leben leider getrennt in der 22 km entfernten Stadt Koidu. Bei meiner Mutter sind noch meine beiden jüngeren Geschwister Esther und Paul. Ich darf bei meiner Oma und meinem Opa hier in Jaiama leben und mit meinen Freunden in die Schule gehen. Wir wohnen zu sechzehnt in unserem Haus – Opa, Oma, zwei Tanten und ihre Kinder.
Meine Schulen
Mit drei Jahren bin ich hier in die Vorschule gegangen. Das ist wie eine richtige Schule. Wir sitzen da mit über 40 Kindern in einem Klassenzimmer in Schulbänken und lernen Zahlen, Buchstaben und einfache Wörter. Danach bin ich sechs Jahre hier in die methodistische Grundschule gegangen. Da war mein Lieblingsfach Sozialkunde. Wir haben viel über Hygiene, die Umgebung, die Umwelt und das politische System gelernt.
Jetzt gehe ich in die JSS2 (Junior Secondary School) – in die 2. Klasse der methodistischen Oberschule. Wir haben zwölf Fächer. Am liebsten mag ich das Fach Naturwissenschaft. Da lernen wir technische Zusammenhänge, etwas über Chemie oder wie ein Teleskop funktioniert. Aber alles lernen wir nur theoretisch. Wir haben keine Schulbücher, die haben nur die Lehrer. In den Ferien dürfen wir dann die Bücher abschreiben, wenn wir möchten.
In der Schule tragen wir eine Uniform, die ganz schön teuer ist. 180 Leone für die Uniform und 160 Leone für die schwarzen Schuhe. Im Monat verdient ein Erwachsener etwa 1.500 Leone. Ein Sack Reis kostet 700 Leone. Deshalb passen wir auf die Schuluniform gut auf. So ziehen wir die Schuhe auch erst kurz vor dem Schulgelände an, damit sie nicht schmutzig werden. Eigentlich ist die Schulbildung kostenlos, aber auch in der Schule und für die Prüfungen muss man einige Gebühren bezahlen. Aber da hilft mir auch mein Vater.
Das mache ich gerne
In meiner Freizeit arbeite ich mit meinem Laptop, das ich von Hans-Jochen Layer, einem Missionar, geschenkt bekommen habe. Erst seit kurzem habe ich auch ein Mobiltelefon, aber die Gebühren sind ganz schön hoch. Deshalb verdiene ich mir durch Helfen, z.B. auf Baustellen, etwas Geld.
Gerne bastele ich auch an meinem kleinen Fahrrad. Eigentlich bin ich aber ein großer Motorradfan – sogar mein Telefon hat als Klingelton das Motorgeräusch eines Motorrades. Ich leihe mir oft von einem Freund das Motorrad aus und fahre im Dorf herum, das macht riesig Spaß. Einmal bin ich dabei von der Polizei erwischt worden, das war dann nicht so einfach, weil das Motorrad kein Nummernschild hatte, ich viel zu jung zum Fahren bin und keinen Helm hatte. Da haben die das Motorrad erstmal einbehalten.
Mein Traum
So oft ich kann, verbringe ich Zeit mit meinem Freund, dem Elektriker des Elektrizitätswerkes dieser Region. Da darf ich auch schon mal ein Haus verkabeln oder Anschlüsse richten oder erneuern. Das möchte ich auch gerne als Beruf machen – Ingenieur- oder Elektroingenieurwesen studieren und dann einen tollen Job haben und dann auch viel Geld verdienen.
Wenn ich Geld hätte, würde ich mir ein Motorrad kaufen – davon träume ich – und einen neuen Computer. Wenn ich groß bin, möchte ich auch ein schönes Haus bauen.
Und wenn ich Präsident wäre, würde ich alle Straßen im Land herrichten. Dann würde ich die Schulen kostenlos machen und ganz viele Arbeitsplätze schaffen. Doch mein größter Traum ist es, eines Tages eine Ausbildung zum Ingenieur in Deutschland zu machen.
Nelson Kanessie