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Sierra Leone

Ein Tag im Gesundheitszentrum

Der Arbeitstag in Jaiama ist oft stressig und birgt viele Herausforderungen. Ob es die Sprache oder die schiere Menge an Patienten ist – am Ende des Tages geht man nicht selten erschöpft nach Hause, berichtet Andrea Monninger.

Bei uns in Jaiama beginnt jeder Tag mit einer Andacht mit allen Mitarbeitenden. Das ist immer sehr lebhaft. Alle singen laut, klatschen dazu und das folgende Gebet spiegelt den Tag wider. Da wird für die Patienten, für Bewahrung bei der Anreise, für kranke Mitarbeitende und gute Entscheidungen für die Behandlung gebetet, ebenso wie für die Kirchenleitung und die Regierung des Landes. Nach einer kurzen Besprechung geht jeder zu seinem Arbeitsplatz.

Die Arbeit beginnt

Im Wartebereich sitzen jetzt schon viele Patienten. Es wird geredet und ist ganz schön laut. Die meisten Patienten haben sich mittlerweile angemeldet, eine Laufkarte bekommen und ihre geringe Anmeldegebühr bezahlt. Sie werden jetzt nach und nach von den CHOs (Ärzte mit einfacher Ausbildung) ins Behandlungszimmer gerufen. Heute sind Vandi Koroma, unser Leiter, und Daniel James zuständig. Ich sitze dabei und versuche die Patienten zu verstehen, wenn sie ihre Beschwerden beschreiben.

Immer wieder brauche ich eine Übersetzungshilfe. Zum Beispiel: You wet fine? Ist die Frage, ob sie beim Wasserlassen irgendwelche Probleme haben. You see your time? Ist die Frage, ob die Periode regelmäßig ist oder vielleicht eine Schwangerschaft vorliegt.

Diagnose und Therapie

Nachdem wir uns einen Überblick über die Symptome verschafft haben, schicken wir die Patienten ins Labor. Dort können viele Schnelltests gemacht werden und mikroskopische Untersuchungen.

Wenn wir die Ergebnisse haben, rufen wir die Patienten wieder ins Untersuchungszimmer und besprechen die Diagnose und die Therapie. Wir erklären, welche Krankheiten sie haben, welche Medikamente sie bekommen und was diese kosten. Die Summe wird dabei an die Patienten und ihre finanziellen Möglichkeiten angepasst.  Am Ende muss es für die Gesundheitsstation reichen, um den Medikamentenvorrat aufzufüllen.

Gerade sprechen wir mit einer Frau mit Diabetes, die am Fuß eine tiefe Wunde hat, die bis auf den Knochen geht. Wir werden alles versuchen, damit sie den Fuß behalten kann, aber die Chancen stehen nicht gut. Es wird eine langwierige und aufwändige Behandlung. 

Es kommen viele Menschen mit Malaria, Wurmerkrankungen, Bluthochdruck, Lungenentzündung, Infektionen, ab und zu auch mit HIV und Sichelzellanämie.

Dann schicken wir die Patienten mit der Medikamentenliste in unsere Klinikapotheke. 

Kinderabteilung

Auch in der Kinderabteilung ist heute viel los. Wir nennen sie »Underfive«, weil nur Kinder bis fünf Jahre dort behandelt werden. Allerdings werden hier auch die Vorsorgeuntersuchungen für die Schwangeren durchgeführt.

Heute ist großer Impftag, das heißt, dass bis zu 40 Mütter mit ihren Kindern kommen, um sie impfen zu lassen. Da geht es immer hoch her. Alle Kinder werden gemessen und gewogen, um zu sehen, ob sie in der durchschnittlichen Wachstumslinie sind. Oft müssen wir leider feststellen, dass die Kinder, so lange sie voll gestillt werden (meist sechs Monate), prächtig gedeihen, dann aber viele einen großen Knick in ihrer Wachstumskurve haben. Deshalb erhalten die Mütter immer eine Schulung in Ernährung, bevor die Kinder geimpft werden.

Dazwischen müssen immer wieder auch ein paar kranke Kinder behandelt werden. Heute ist ein etwa dreijähriges Kind dabei, das eine so gravierende Lungenentzündung hat, dass es kaum noch Luft bekommt. Es wird sofort in der Krankenstation aufgenommen, wo wir für solche Fälle etwa zehn Betten haben. Das Kind wird intravenös behandelt und muss zwei bis drei Tage dableiben, natürlich mit der Mutter. In diesem Fall ist noch einmal alles gut gegangen. Das Kind wird wieder gesund – Gott sei Dank! 

So langsam werde ich hungrig. Gut, dass jeden Tag Händlerinnen zu uns kommen. Heute habe ich Lust auf ein Fischküchlein, aber auch die Donuts lachen mich an. Meine Kollegen, aber auch die Patienten, entscheiden sich eher für Reis oder Spaghetti und Soße mit Bohnen.

Feierabend

Gegen 15 Uhr leert sich die Klinik langsam. Jetzt ist Aufräumen und Putzen angesagt. Dann kehrt Ruhe ein. Bis zum nächsten Tag. Auch ich gehe müde nach Hause ins Missionshaus zu meinem Mann Dieter.

Andrea Monninger