Laufen für die gute Sache
Vor kurzem besuchte Pastor Frank Aichele Albanien. Der ehemalige Missionssekretär nahm dort am Tirana-Marathon teil. Anschließend hatte er die Gelegenheit, das Frühförderzentrum der EmK sowie verschiedene EmK-Gemeinden zu besuchen. Hier ist sein Reisebericht:
Jährlich nutzt das Frühförderzentrum der EmK in Albanien den Tirana-Marathon als Spendenlauf, um Finanzmittel für seinen Weiterbetrieb zu sammeln. Nachdem ich bereits zweimal »daheim« für das Zentrum gejoggt bin, hatte ich dieses Jahr die Möglichkeit, zusammen mit einigen Mitarbeitenden des Frühförderzentrums und zwei Methodisten aus Österreich, direkt am Tirana-Marathon teilzunehmen. Ich selbst bin jedoch nur den Halbmarathon gelaufen. Dank der vielen Sponsoren, die unsere Läufe unterstützt haben, konnten die nötigen Finanzmittel für ein weiteres Jahr des Betriebs des Frühförderzentrums gesammelt werden.
Wichtige Anlaufstelle für Kinder und Eltern
Nach dem Marathon konnte ich mit Silva Balliu, die als Psychotherapeutin die fachliche Leitung des Zentrums innehat, über dessen Arbeit sprechen. Das Zentrum betreut über 20 Kinder, die dem Autismus-Spektrum oder ähnlichen Problemfeldern zugeordnet werden. Zwei Psychotherapeutinnen und zwei Sprachtherapeutinnen führen mit den Kindern Einzeltreffen durch, um mit ihnen in unterschiedlichen Formen Verhalten, Sprache und diverse andere Dinge einzuüben und zu erlernen. Einmal die Woche gibt es auch Gruppentherapie mit nie mehr als drei Kindern. Im Sommer findet jeweils ein Camp statt, damit die Kinder mit ihren Eltern auch mal »rauskommen«. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Arbeit mit den Eltern: Sie werden in allen Fragen des Umgangs mit ihren Kindern beraten und geschult. Zudem erhalten sie »Hausaufgaben«, damit sie zu Hause mit ihren Kindern weiterlernen und üben können.
Die besondere Motivation der Mitarbeitenden
Ich habe Silva Balliu gefragt, warum sie diesen doch recht herausfordernden Job seit acht Jahren ausübt. Ihre Antwort war eindeutig: »Als Christin ist das für mich eine Berufung. Ich möchte Kindern und Familien helfen.« Ähnlich sehen es auch die anderen Therapeuten, die woanders sicher mehr verdienen könnten. Aber die Arbeit in einer christlichen Einrichtung ist für alle sehr wichtig! Ich habe weiter gefragt, was für sie in ihrer Arbeit besonders erfüllend ist: »Wenn die Kinder ein Ziel erreichen und ihr Verhalten oder ihre Sprache entsprechend verbessert ist und die positiven Rückmeldungen sowie die Dankbarkeit der Eltern«, war die spontane Antwort. Diese Arbeit ist wirklich ein »Leuchtturmprojekt«, da es von staatlicher Seite so gut wie gar keine Frühförderung gibt. Die EmK arbeitet jedoch mit anderen kirchlichen und privaten Trägern ähnlicher Zentren zusammen. Insgesamt war ich vom Engagement der Mitarbeitenden sehr beeindruckt. Für sie alle ist es mehr als ein »Job« – sie betrachten es als ihre christliche Berufung, diesen Kindern und ihren Familien zu helfen.
Positive Gemeindeentwicklungen
Die Gemeinden in Tirana und Pogradec gibt es schon seit einiger Zeit. In Tirana wird ein angemietetes Gebäude in der Innenstadt genutzt, das zweckmäßig ist und auch dem Frühförderzentrum eine Heimat bietet. Die Gemeinde ist geprägt von der jüngeren Generation (viele Studenten), leidet aber unter vielen Um- und Wegzügen, was bei dieser Altersgruppe leider normal ist. In Pogradec gehört das Kirchengebäude der EmK und liegt wunderschön an der Promenade am Ohridsee. Der Innenausbau ist inzwischen komplett fertig und sehr schön geworden. Beide Gemeinen arbeiten stabil und nehmen eine gute Entwicklung.
Neue Dorfgemeinde voller Optimismus
Für mich war es besonders spannend, die jüngste der inzwischen fünf Gemeinden in Albanien zu besuchen. Buzahishte liegt mitten in den Bergen und ist nur über eine Straße zu erreichen, die wir als »besseren Feldweg« bezeichnen würden. Vor wenigen Jahren haben einige Personen, die schon länger mit der EmK verbunden waren, dort diese Gemeinde gegründet und ausgebaut. Buzahishte ist ein verstreutes Bergdorf, in dem es sonst weder eine Kirche noch eine Moschee gibt. Die Gemeinde erreicht deshalb mehr oder weniger das ganze Dorf. Bei meinem Besuch fiel auf, dass neben den Erwachsenen auch viele Kinder der örtlichen Grundschule anwesend waren. Für sie wird einiges geboten. Geleitet wird die Gemeinde von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter, der nun auch teilzeitlich eine theologische Ausbildung macht. Mich haben die Herzlichkeit der Gemeindeglieder und ihr Optimismus hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Dorfes und der Kirchengemeinde sehr beeindruckt. Mein Fazit: Die EmK in Albanien entwickelt sich weiterhin gut.
Herzlich danken möchte ich an dieser Stelle Superintendent Wilfried Nausner und seiner Frau Jean sowie Pastor Gjergj Lushka, die mich die ganze Zeit begleitet und mir viele schöne Einblicke in das Land und die EmK ermöglicht haben.
Frank Aichele