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Malawi

Familie Schmidt auf der Zielgeraden

Die Zeit von Familie Schmidt in Malawi neigt sich dem Ende entgegen. In wenigen Tagen werden sie in das Flugzeug steigen, aufbrechen, umziehen. So wie vor sieben Jahren. Ein Aufbruch ins Unbekannte und Unvertraute, heute wie damals. Ein Bericht von Olav Schmidt.

Malawi hat uns verändert, und Deutschland ist anders geworden. Einmal mehr spüren wir wie heimatlos wir auf dieser Erde sind und doch immer wieder neue Heimat finden an den Orten an die Gott uns stellt.

Gemeinsam unterwegs

Vieles hat sich und viele haben sich verändert in diesen Jahren. Die Kirche ist gewachsen, reifer geworden, wenn auch noch nicht er-wachsen. Menschen haben Verantwortung übernommen, haben sprechen gelernt, die Stimme Malawis ist lauter und deutlicher geworden. Besonders eindrücklich ist das bei der theologischen Kompetenz zu spüren. Selbst die Pastoren, die nur eine grundlegende Schulbildung haben und kein Englisch sprechen, haben Zugang zu einem dreijährigen Theologiekurs bekommen, der dem in englischer Sprache in nichts nachsteht. Sie haben sich durch rund vierzig Studienfächer gearbeitet, Klausuren geschrieben – und alle haben bestanden. Was für ein Erfolg! Im kommenden Oktober findet das letzte Semester statt. Geleitet wird es von den örtlichen Lehrkräften und Pastor Mike Gudka aus den USA, der dafür noch einmal nach Malawi kommt.

Für das nächste Jahr planen wir eine Konferenz zu einem Thema, welches die malawischen Pastoren für Malawi und die globale Kirche als wichtig erachten. Kleine Teams, gemischt aus solchen mit höherer und niedrigerer Bildung werden Teilaspekte dieses Themas betrachten. Und wir wünschen uns, dass auch Referenten aus anderen Partnerländern und Deutschland dabei sind.

Staffelübergabe – Weiterlaufen

Was für den einen das Ziel ist, ist für den anderen der Start. So ist es beim Staffellauf und auch in der Mission. Vor einem Jahr hatte ich an dieser Stelle von Projekten gesprochen, die noch zum Abschluss kommen sollen. Aber in allen Fällen ist es nur für mich ein Abschluss, für die Verantwortlichen aber nur die Staffelübergabe. Von jetzt an laufen sie alleine weiter, aber wir bleiben ein Team.

Eigene Wege gehen – in ein selbst­bestimmtes Leben

Die Alphabetisierungskurse haben die Pilotphase abgeschlossen. In drei Bezirken konnten die Abschlussfeiern gehalten werden. Alle Absolvent:innen bekommen eine Bibel mit auf den Weg – und alle schreiben ihren Namen in ihre eigene Bibel. Sie ist ein wesentlicher Aspekt des Programmes, denn so wird in kleinen Gruppen und daheim das Lesen im täglichen Bibelstudium weiter geübt. Einen emotionalen Höhepunkt erreicht die Feier, als eine Absolventin aus ihrer neuen Bibel vorliest.

Es ist eindrücklich die Zeugnisse zu hören: Jeanette Phiri berichtet, dass sie bei ihrem Stiefvater aufgewachsen ist und nicht zur Schule gehen konnte. Jetzt will sie Englisch lernen und Mathematik. Andrea Mathera ist froh, dass sie Wegweiser nicht mehr mit Reklame verwechselt und so ihre eigenen Wege gehen kann.

Selbst Menschen aus anderen Kirchen nahmen am Kurs teil, was an ein Wunder grenzt. Die Kirche wurde als Satans-Sekte diskreditiert, weil sie viele soziale Probleme anspricht. Durch die Alphabetisierungskurse ist sie nun anerkannt und akzeptiert.

Bewegen und auch mal jemandem auf die Füße treten

Das Schulungsprogramm für nachhaltigen Gemeindeaufbau ist Wirklichkeit geworden. Gemeinsam haben wir die Schulung entwickelt und auf den beiden Distrikten einen Testdurchlauf durchgeführt. Nachhaltige Gemeinden, so haben wir festgestellt, sind Gemeinden, die selbstständig neue Gemeinden gründen können – in jeder Hinsicht: personell, finanziell und organisatorisch. Überraschend war der Konsens an beiden Orten: Lasst uns unsere bestehenden Gemeinden nachhaltig gestalten, erst dann neue gründen. Das gefiel nicht allen. Ein Superintendent, der auch schon mal Gemeinden ohne Absprache mit dem Pastor vor Ort gründet und dabei mehrfach gescheitert ist, macht ein betretenes Gesicht.

Die weitere Umsetzung scheiterte zunächst daran, dass der überschaubare Betrag an zusätzlichen Mitteln nicht aufgetrieben werden konnte. Kürzlich aber – nach fast einem Jahr – wurde er doch noch von einem Partner aus den USA zur Verfügung gestellt.

Standhaft bleiben

Auch das gehört dazu. Der Prototyp der neuen Kindergartenkirche steht und steht noch, auch nach Zyklon Freddy. Die Kirche diente wiederum als Notunterkunft und soll in Zukunft dafür noch besser gerüstet sein, indem die sanitären Einrichtungen erweitert werden.

Das Konzept hat sich bewährt. Verbesserungsvorschläge wurden vor Ort diskutiert und werden bei weiteren Bauten umgesetzt. Bei der Einweihungsfeier mit den Förderern aus den USA wurde deutlich, dass diese Gemeinde ihr Umfeld im Blick hat. Ein Kindergarten, zunächst mit ehrenamtlichen Kräften betrieben, und ein Alphabetisierungskurs greifen auf, was der Dorfgemeinschaft fehlt.

Sich entfalten

So könnte man das Motto des Ganges nach Emmaus begreifen. Einige Jahre lang sind Teilnehmer aus Malawi zu Gängen nach Simbabwe gereist und haben dort auch mitgearbeitet. Jetzt gab es Gespräche mit dem internationalen und afrikanischem Leiter mit dem Ziel den ersten malawischen Gang im nächsten Jahr Wirklichkeit werden zu lassen.

Auf vielen Hochzeiten tanzen

In den letzten Wochen sind nun noch die Übergaben für die Kommission für ordinierte Dienste und den Theologie-Kurs zu erledigen. Damit geht die Ausbildung und Begleitung der Pastoren ganz in die Hände der Verantwortlichen hier über.

In anderen Bereichen wie der Verwaltung der Kirche werden Lücken bleiben, die auch in den vergangenen sieben Jahren nicht geschlossen werden konnten. Organisatorisch ist noch vieles zu bedenken, vom Arbeits- bis hin zum Körperschaftsrecht. Ein Verwaltungsleiter aus einer der benachbarten Partnerkirchen könnte helfen diese Lücken zu schließen – darüber ist die EmK-Weltmission im Gespräch mit der malawischen Kirchenleitung.

Im gleichen Takt voranschreiten

Den Höhepunkt der vergangenen Jahre bildete jedoch die erst kürzlich abgehaltene Konferenz aller Partner aus den USA und Deutschland vor Ort in Malawi. Dass diese noch vor meinem Umzug nach Deutschland zustande kam, war ein Zeichen der Wertschätzung des Engagements der EmK-Weltmission.

In Zukunft werden sich die Partner untereinander und stärker mit der Kirche in Malawi abstimmen. Kindergärten und Brunnenbohrungen sollen den gleichen Programmprinzipien folgen, egal wer sie fördert. Alle Partner teilen miteinander, welche Projekte sie fördern und welche Erfahrungen sie sammeln. Prioritäten sollen gemeinsam mit der malawischen Kirche gesetzt werden. Der Strategische Entwicklungsplan der die Selbstständigkeit der Kirche zum Ziel hat, soll dabei maßgebend sein.

So wird das langjährige Engagement der EmK-Weltmission, die drei Missionare in Reihe ausgesandt hat, fortgeführt und erhält eine neue Dynamik.

Einander die Hand reichen

EmK-Weltmission und die EmK in Malawi – das ist eine Beziehung mit Hand und Fuß. Danke an alle, die uns in den vergangenen Jahren die Hand gereicht haben und die ihre Hände zum Gebet erhoben oder gefaltet haben. Gemeinsam wollen wir nun weiter den Menschen in Malawi zur Hand gehen und ihnen helfen, aus eigener Kraft voranzugehen.

Olav Schmidt